Antike Sportkleidung oder aufreizende Modeerscheinung? – die überraschende Geschichte des Bikinis

Bekannt wurde der Bikini in den 1960er-Jahren, als Ursula Andress im James Bond-Film: “007 jagt Dr. No” ihre Kurven in diesem damals noch eher unkonventionellen Badeanzug präsentierte. Im selben Jahrzehnt besang Brian Hyland den Zweiteiler im weltberühmten Schlager “Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini” und schenkte ihm damit noch mehr Aufmerksamkeit.

“Sex sells”
Diese populären Darstellungen vom Bikini sind wohl nicht ganz unschuldig daran, dass er ab den Sechzigern immer beliebter wurde. Doch vor allem änderte sich die gesellschaftliche Einstellung zu nackter Haut. Mit dem Wirtschaftswachstum waren die Menschen dem Anblick von weiblichen Körpern in wenig Stoff immer häufiger ausgesetzt. Das geschah vor allem durch Werbung in Fernsehen und Zeitschriften und durch den internationalen Aufstieg des Kinogenres “Strandfilm”. Die meisten gewöhnten sich an diesen neuen knappen Badeanzug und viele fanden sogar gefallen daran und wollten ihn selbst tragen. Besonders in der Werbung wurde der Bikini als verkaufsförderndes Wundermittel exzessiv genutzt. Und so wurde bald alles von Zeitschriften bis zur Zahnpasta mit wenig bekleideten Frauen in freigiebigen Zweiteilern beworben.

Verboten und verpönt
Es gab jedoch auch kritische Stimmen. Zwar war mittlerweile das Tragen eines Bikinis an einigen Stränden erlaubt, doch als sich Model Ilonka 1965 am Viktualienmarkt in München fotografieren lies, wurde sie verhaftet und zu Sozialstunden verdonnert.

Das wahren wohl noch Spuren der Jahrzehnte zuvor, in denen der Bikini als sittenwidrig und moralisch verwerflich galt. In den Fünfzigerjahren war das Tragen eines Bikinis an den Stränden von Italien, Spanien und Portugal streng verboten. In den USA durfte er in vielen Hollywoodfilmen und sogar bei Schönheitswettbewerben nicht gezeigt werden.

Er entsprach allerdings auch nicht dem Modeempfinden dieser Zeit. Das damals vorherrschende Schönheitsideal einer schmalen Taille bei vollen Kurven gab einem anders geformten Badeanzug eine Bühne. Dieser war nämlich so konstruiert, dass er sich an der Körpermitte zusammenschnüren lies und die Brust anhob. Eine solche Figur-Modellierung wäre mit einem bauchfreien Bikini natürlich nicht möglich gewesen.

Noch ein Jahrzehnt früher, in den 1940ern, zur Zeit des Nationalsozialismus, waren die Regeln bezüglich der Badekleidung noch einmal um einiges strenger, was nicht wirklich überraschend ist. Erlaubt war nur ein einteiliger Badeanzug mit Beinansatz, und wer dagegen verstieß, wurde verhaftet und hart bestraft.

Freizügige Antike
Machen wir allerdings einen etwas größeren Zeit-Sprung zurück in die Antike, finden wir insbesondere auf Sizilien unzählige Wandmalereien und Mosaike von Frauen im Bikini. Oder zumindest in etwas, das dem heutigen Bikini sehr ähnlich sieht. Auf diesen Bildern sind vor allem junge Frauen zu sehen, die in kurzen Höschen und schmalen, über die Brust gebundenen Tüchern Sport treiben oder in der Sonne liegen. Und das waren nicht etwa Mädchen niederen Standes oder fragwürdiger Profession, sondern die Frauen und Töchter wohlhabender und angesehener Römer.

Ob diese Bekleidung nun als Badeanzug diente oder lediglich Sportbekleidung war, können wir mit dem, was uns überliefert wurde, zwar nicht eindeutig sagen. Aber die Frage, ob die alten Römer lockerer und freizügiger waren, als unsere moderne Gesellschaft es ist oder es zumindest in den letzten Jahrzehnten war, werfen diese Mosaike schon auf.

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